Montag, Juni 19

Citizen Journalism–Volkes Stimme?

In der Bezeichnung Bürger-Journalismus steckt ein hehres Ziel: Citizen Journalism erhebt den Anspruch, jedem die Möglichkeit zu geben, sich an der Informationsweitergabe zu beteiligen. Ganz im Sinne der grundgesetzlich festgelegten Informationsfreiheit, oder? Eine Aufgabe, die im großen Stil bis jetzt professionellen Journalisten vorbehalten war. Es gibt viele Ansätze, Otto Normalbürger am Nachrichtengeschäft zu beteiligen. Und Web 2.0 bietet die Plattform dafür. Es gibt die grundlegende Kommentar-Möglichkeit, die Lesern eingeräumt werden kann, hier wären wir beispielsweise in der Tradition des Leserbriefes im Printmedium verhaftet. Wem die ungefilterte Kommentierung seiner Artikel nicht passt, der kann im Stile des Lektorats im Printbereich zumindest eine Zugangskontrolle einrichten. Es gilt jedoch dann auch hier wieder: wessen Meinung nicht gefällt – der darf nicht ungehindert kommentieren (es sei denn auf eigener Website). Weitergehende Ansätze des Citizen Journalism sehen eine Beteiligung des Lesers/Bürger-Reporters an Artikeln von professionellen Journalisten vor, die sie ergänzen/verändern, oder auch (in Online-Zusammenarbeit mit dem betreffenden Journalisten) im Entstehungsprozess beeinflussen können. (Wer weiterlesen will: Poynter oder Wikipedia.)
Denn sie wissen nicht, was sie tun?
Es stellt sich jedoch die Frage: Was stellt der Bürger mit dem Zepter an, wenn man es ihm in die Hand drückt? Sicher eröffnen sich ganz neue Chancen zur öffentlich geteilten Information, im Sinne einer ergänzenden Informationsweitergabe – doch lassen sich Nachrichten, die heutzutage im Sinne des schnellstmöglichen Konsums zu News-bits reduziert werden sollen, beliebig verlängern? Qualität– Quantität/Konzentration–Ausschöpfung? Stolpert Citizen Journalism über seine eigenen Möglichkeiten? Braucht man einen Informationsfilter und wenn ja, wie lässt sich das realisieren?
Werden Berufsjournalisten damit obsolet?
Während das Printmedium nur begrenzt Platz zur Verfügung stellen kann, scheint die Kapazität des Internet noch übergroß… Wo im Printbereich gatekeeping erforderlich ist, fasst das Netz jede Äußerung/Nachricht und kann sie speichern! Doch wenn jeder alles online stellen kann – wer soll sich da noch übersichtlich informieren können? Wie könnte man das realisieren?

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